Ehrliche Portraits

Es ist schon ein lustiger Umstand, dass der Fotovogel langsam zu mehr Bekanntheit gelangt und ich immer häufiger von Freunden und Bekannten um ganz persönliche Fotos gebeten werde.

Umso mehr freute ich mich, als mich meine Freundin Sophie um ehrliche Portraits bat. Und auch, wenn ich glaubte zu wissen, worauf sie hinaus wollte, stellte sich mir doch die Frage: „Wie, zur Hölle, soll das funktionieren?“

Warum ehrliche Portraits?

In meiner Vorstellung wünschte sie sich Bilder, die sie so zeigen, wie sie wirklich ist. Nun ist ein Foto natürlich nur eine Momentaufnahme. Es sollte aber trotz allem eine Art Essenz ihres Charakters zeigen, dachte ich mir. Nicht unbedingt alles, was es über sie zu wissen gibt, aber das Wichtigste. Ein Konzentrat ihrer Persönlichkeit, wenn man es so nennen mag.

Was ist Ehrlichkeit und wie kann ich sie darstellen?

Diese Frage bereitete mir tatsächlich einiges an Kopfzerbrechen. Nicht zuletzt deshalb, weil mir mit einem Schlag bewusst wurde, wie wenig Gedanken ich mir bisher zu dem Thema gemacht hatte.

Im Grunde genommen ist es doch so: Unehrlichkeit ist ein Synonym für „nicht wahr, nicht real“. Wir verzerren also die Realität, weil wir etwas so darstellen, wie es gerade nicht ist. Warum?

Als Kind habe ich oft nicht die Wahrheit gesagt, wenn ich etwas angestellt hatte, aus Angst vor den Konsequenzen. Und mal Hand aufs Herz, ist das nicht immer noch so? Wie oft sind wir nicht ehrlich, zu uns selbst oder zu anderen, aus Angst vor den Konsequenzen? Wir werden älter, aber diese Tatsache bleibt.

Im Umkehrschluss ist Ehrlichkeit für mich dann mit ganz schön viel Mut verbunden. Mut, zu dem zu stehen, was wirklich ist. Mut, zu zeigen, was vielleicht nicht gut oder imperfekt ist – ungeachtet dessen, was danach auf uns zukommt.

Übertragen auf ehrliche Bilder könnte das bedeuten, mit kleinen Imperfektionen zu leben. Mit den Augen zu kneifen, weil man zum Beispiel WIRKLICH lacht. Die Falten im Gesicht zu zeigen, weil sie zu einem gehören. Oder die zerzausten Haare einfach sein zu lassen, weil der Wind hier an der Küste ohnehin jede anständige Frisur zerstört. Perfektion ist nicht des Menschen beste Kunst und wir sollten aufhören uns vorzugaukeln, es wäre so.

Sind ehrliche Fotos dann hässliche Fotos?

Nein, jemanden schlecht darzustellen (wenn auch in unserem Fall nur bildlich gemeint) zeugt nicht unbedingt von Ehrlichkeit. Ich denke, dass wir uns viel eher mit unserem eigenen Empfinden von Schönheit und Perfektion auseinander setzen müssen, besonders, wenn es sich um Bilder von uns selbst handelt.

Während ich schon einige meiner Freunde fotografiert habe, ist mir aufgefallen, wie sehr sie die Fotos der jeweils Anderen mochten und bei den eigenen Bildern oft erst unzufrieden waren. Die „Imperfektionen“ der Anderen wurden immer als schön empfunden oder gar nicht erst wahrgenommen. Und würde man mich persönlich nach den schönsten Bildern fragen, wäre ich wohl auch ziemlich aufgeschmissen, weil alle Bilder wunderschön sind.

Letztenendes geht es darum, ob wir mutig genug sind, ehrlich mit uns selbst zu sein. Sind wir mutig genug, uns von dem aufgesetzten schnell-ich-muss-für-die-Kamera-lächeln-Gesicht zu trennen? Sind wir mutig genug, zu unserer krummen Nase, den buschigen Augenbrauen oder unseren Segelohren zu stehen? Sind wir mutig genug, diese Bilder anzusehen und sie vielleicht sogar schön zu finden?

Ich glaube, wenn wir uns von dem Gedanken trennen, dass ein Foto perfekt sein muss, um schön zu sein, dann sind wir ehrlich. Und dann können wir uns auch auf Fotos zeigen, wie wir wirklich sind – als Konzentrat unserer Selbst.

Können wir mal ein bisschen konkreter werden?

Ja können wir. Hier mal zur Verdeutlichung ein kleiner Vergleich:

Sieh dir die Bilder an. Sieh sie dir an und frage dich, was du über die Person zu wissen glaubst. Bei dem Foto auf der linken Seite wirst du vermutlich die gleiche emotionale Verbundenheit spüren, wie zu einer anderen x-beliebigen Person, die du nicht weiter kennst. Rechts sieht das schon anders aus. Was du siehst ist ein echtes Lachen, dass einfach im Moment festgehalten wurde und plötzlich hat man den Eindruck, einen fröhlichen, lebensbejaenden Menschen vor sich zu haben.

Und ich verspreche dir, der Eindruck meine Freundin Sophie in den Zügen ihres Wesens zu erkennen, wird noch verstärkt, wenn du die folgenden Bilder auf dich wirken lässt. Alle Bilder sind im Affekt entstanden und ich habe versucht während unserer Unterhaltung einfach den richtigen Moment zu treffen.

Wie macht man jetzt ehrliche Bilder?

Ausgezeichnete Frage! Ich habe bei unserem kleinen Shooting am Strand auch noch einiges lernen dürfen. Hier meine kleine Liste:

  • Verwickle dein Model in ein Gespräch. Ziel dabei ist, unbedingt wegzukommen von diesen typischen Fotografen-Anweisungen: „Guck mal hierhin“, „schau mal dort hin“, „Kinn hoch“ und noch viele andere, die du in diesem Zusammenhang gar nicht brauchst. Du willst diesen Menschen ja so natürlich, wie möglich einfangen und nichts ist natürlicher, als sie einfach erzählen zu lassen. Das sorgt im übrigen auch bei deinem Gegenüber für Entspannung und plötzlich ist nichts mehr zu spüren von „ich muss besonders gut aussehen auf dem Foto“. Was bleibt ist das Gefühl von „hier bin ich, hier darf ich sein“ und das wird man sehen, auf jedem einzelnen Bild.
  • Scheue dich nicht, die Regeln zu brechen. Als bestes Beispiel kann ich hier eine Regel nennen, die ich selbst immer wieder gebrochen habe: auf geöffnete Augen achten. Ganz oft wird einem gesagt, dass die Augen das Fenster zur Seele sind. Aber wie viel Seele bleibt, wenn die Augen zwar geöffnet sind, das Lächeln darunter aber unecht und gestellt ist? Ja dann sieht man ihre Augen halt nicht, das Lachen dahinter ist aber echt und das zählt viel mehr. Wenn du das Gefühl hast, dass eine Regel für dich nicht funktioniert, dann halte dich nicht daran. Du allein entscheidest, was du schön findest. Und wenn du den Eindruck hast, dass das Lachen nicht von Herzen kommt, dann kannst du dein Model auch darauf hinweisen, dass es nicht lachen muss.
Es ist ein gutes Portrait, aber wirklich ehrlich ist es nicht.
  • Löse dich von dem Blick in die Kamera. Damit meine ich eigentlich den Blick des Models in die Kamera. Das beherzige ich schon sehr lange, weil es sich für mich richtiger anfühlt. Warum ist das so? Wenn wir einen Film, eine Serie oder ein Theaterstück sehen, dann interagieren die Schauspieler nicht mit der Kamera. Der Zuschauer bleibt stiller Beobachter. Tut er es doch, so wird im Schauspiel davon gesprochen „die 4. Wand zu durchbrechen“. Plötzlich erwartet der Betrachter eine Art Interaktion. Wenn diese Interaktion nicht stattfindet, weil nur halbherziges Kamera-Lächeln zu sehen ist, spüre ich zumindest eine Art Enttäuschung.
  • Schraube deine eigenen Erwartungen herunter. Damit meine ich nicht, deinen Qualitätsanspruch herunter zu fahren. Aber vielleicht ist es besser, sich vorher keine Gedanken zu machen, welche Pose wie wirkt und welche Art von Foto man unbedingt machen möchte. Je genauer deine Vorstellungen sind, desto schwieriger wird es, ihnen gerecht zu werden. Und dann wird es fast unmöglich, deinem Gegenüber die Akzeptanz und den Freiraum zu geben, so zu sein, wie er oder sie tatsächlich ist.

Zu guter Letzt kann ich nur sagen, dass mich der Serienbildmodus absolut gerettet hat. Aber das tut er eigentlich immer, solange ich kein Stillleben fotografiere.

Ich hoffe, du konntest meine, teils philisophischen, Denkansätze nachvollziehen und verstehen, worauf ich hinaus wollte. Vielleicht konntest du ja etwas für dich mitnehmen – schreib mir gerne in den Kommentaren.

Bevor ich mich verabschiede, bleibt nur noch eins zu sagen: Vielen Dank Sophie, dass du mir so viel Vertrauen geschenkt hast!

Bis dahin, alles Liebe!

Deine Stephie

Ein spontaner Versuch und eine große Erkenntnis

DAS DRUMHERUM ist eine Kategorie meines Blogs, in der ich Themen bespreche, die mir vielleicht noch nicht so liegen. Hier geht es nicht um das Fachwissen, das ich bereits gesammelt habe, sondern um meine Erfahrungen oder meine Fehler.

Na? Auch gerade im „Spaziergang-Fieber“? In Zeiten von Corona ist Spazieren gehen ja zu DEM Grund geworden, um neben dem Einkaufen überhaupt noch das Haus zu verlassen – das ist zumindest mein Eindruck. Und auch, wenn ich vor dieser ganzen Corona-Geschichte schon begeisteter Spaziergänger war, bin ich vorher, leider Gottes, nie auf die Idee gekommen, dabei meine Kamera einzupacken. Dämlich, ich weiß.

Meine Kamera ist beim Spazieren gehen mittlerweile immer dabei.

Ein spontaner Versuch

Naja, jetzt hab ich neulich Mittag eine Runde um den See gedreht, mich dabei tierisch gefreut, ausnahmsweise mal nicht Hinz und Kunz „Hallo!“ sagen zu müssen und mich gefragt, warum die Leute eigentlich so vorhersehbar sind und nur am Sonntagnachmittag in Massen aus dem Haus strömen. Zu einer richtigen Antwort kam ich diesbezüglich irgendwie nicht.

So oder so, in einer Sache allerdings hatte ich mich getäuscht. Der Steinberger See in meiner bayerischen Heimat ist recht bekannt für seinen sehr stetigen Wind und bei dem Wetter an diesem Tag, hatte ich mit einer ganzen Brigade an Segelbooten gerechnet. Aber Fehlanzeige.

Es war kein einziges auf dem Wasser.

Dafür jede Menge Windsurfer und eine Handvoll Kiter, die eine komplette Bucht bevölkerten. Kaum, war der erste durch mein Blickfeld gesaust, war ich auch schon losgestürmt. Ich musste unbedingt versuchen, ein tolles Foto zu bekommen!

Vor kurzem erst, hatte ich einen Artikel zu Techniken der Sportfotografie gelesen und war überzeugt, mit meinem neugewonnenen Wissen nun mehr als atemberaubend fotografieren zu können. Während ich lief, sah ich meine Bilder in Fachzeitschriften abgedruckt und mich mit ihnen Fotografiepreise gewinnen. Nicht zu vergessen: eine Nachricht von National Geographic World, die es kaum erwarten könnten, mir einen Batzen Geld für die Bildrechte zu zahlen und meinen Namen dick und fett, neben anderen bekannten Fotografen, in Hochglanzmagazinen zu beweihräuchern!

Ja, also… nein.

Und bevor du fragst: nein, du bildest dir das nicht ein. Die Bilder sind tatsächlich… bescheiden.

Jetzt ist es eine Sache, sich über schlechte Bilder zu beschweren. Zu wissen, warum sie schlecht sind, eine ganz andere. Das bringt mich zu:

Meiner großen Erkenntnis

Ich bin mit meinem Equipment an eine Grenze gestoßen. Mein Objektiv – ich habe bisweilen nur eins – hat eine Brennweite von 18-55 mm. Zur kurzen Erläuterung: 53 mm entsprechen ungefähr dem menschlichen Auge. Heißt, selbst wenn ich ganz nah ranzoome, ist das Motiv gerade so groß, wie wir selbst es auch wahrnehmen würden. Und glaub mir es war so frustrierend:

Ich war unheimlich nah dran, in dieser Bucht, und war einfach sehr beeindruckt. Die Jungs und Mädels waren so schnell und ich hatte alle Hände voll zu tun, sie überhaupt auf ein scharfes Foto zu bekommen. Bis ich einen Blick auf die Vorschau der Kamera warf: ein bunter Punkt im Wasser, mehr nicht! Als hätte ich farbigen Dreck auf meiner Linse. Erst zuhause am Notebook entdeckte ich das ein oder andere, nicht ganz katastrophale, Foto.

Jetzt kann ich die Bilder natürlich nicht unendlich größer ziehen. Irgendwann ist sehr deutlich erkennbar, dass mein Equipment weder für diese Entfernung noch für diese Schärfe gemacht ist. Aber wenn unsere Sportler so klein bleiben, dann wird der komplette Bildaufbau zunichte gemacht.

Der Bildaufbau

Warum wirken meine Bilder nicht? Ganz einfach: du siehst nicht die Arbeit, die dahinter steckt. Und mit Arbeit, meine ich den Sport. Du siehst nicht, wie anstrengend es ist, wie viel Übung es braucht. Du siehst noch nicht einmal, ob sie Spaß dabei haben. Wenn du dir die Bilder anschaust, wirst du dir vermutlich denken: „naja, da surft halt einer“. Das ist aber nicht die Reaktion auf das Foto, die ich haben möchte.

Die Reaktion auf das Bild sollte sein: „Wahnsinn, was für ’n krasser Typ oder was für ’n krasses Mädel!“. Und ist das nicht genau der Grund, warum wir uns Sportfotografie überhaupt ansehen? Wir möchten doch beeindruckt werden, von der Geschwindigkeit, der Dynamik, der Kraft und der Leistung. Und um das darstellen und zeigen zu können, muss man eben etwas näher ran.

Übrigens, im allerbesten Fall, sieht man dann auch noch, wer das ist. Denn jeder, der schon einmal ein Foto von einem Profifußballer beim Spielen gesehen hat, weiß, dass die Grimassen, die wir beim Sport ziehen, vor allem deshalb so ausdrucksstark sind, weil sie nicht für die Kamera gedacht waren. Hier war es jetzt gar nicht so schlimm, dass man die Gesichter nicht erkennt – so hab ich mir erspart, alle Leute anzuquatschen, um zu fragen, ob ich ihre Bilder veröffentlichen darf.

Alles in allem war es wohl ganz gut, dass es Surfer und keine Segler waren, weil hier der Unterschied zu meiner persönlichen Erwartungshaltung einfach größer war. Nicht falsch verstehen, segeln ist durchaus ein sehr ernst zunehmender Sport. Aber ein Boot nimmt relativ viel Platz auf dem Foto ein während es zugleich ungemein statisch ist. Ein dynamisches Bild zu bekommen, ist deshalb deutlich schwieriger.

Soviel zu meinem ersten Ausflug in die Sportfotografie. Den Artikel hatte ich dir letztes Mal ja versprochen. Falls du jetzt neugierieg geworden bist: der Pfeil unten bringt dich zu meinem vorangegangenen Artikel mit dem Thema „Manuell fotografieren“. Ansonsten hören wir bald wieder voneinander!

Bis dahin

Deine Stephie

Manuell fotografieren

…oder wie dieser Artikel auch heißen könnte: DAS LICHT

Das richtige Licht ist das A und O.

Jetzt geht es ans Eingemachte! Ja wir beschäftigen uns heute mit einem wichtigen Teil des Handwerks „Fotografie“. Und was ich jetzt schreibe, ist so allgemein gültig, dass mir gleich mehrere mögliche Titel für diesen Artikel eingefallen sind: siehe oben. Denn die Lehre vom Licht ist essentiell, um zu verstehen, wie Fotografie überhaupt funktioniert. Und beim Manuellen Fotografieren geht es darum, die Blende, die Belichtung und die ISO per Hand für jedes Motiv individuell einzustellen und nicht einfach irgendwelche vorgefertigten Modi zu benutzen.

Die Blende

Starten wir doch einfach mit der Blende. Sie ist ein kleiner Schließmechanismus vorne, hinter der Linse deines Objektivs, die im Grunde wie die Iris in einem Auge funktioniert. Ich mache diesen Vergleich übrigens nicht nur, weil er gerade passt, sondern weil in der Fotografie einiges dem menschlichen Auge nachempfunden wurde.

Wenn jetzt also die Sonne scheint und du dich draußen aufhältst, dann zieht sich die Iris in deinem Auge zusammen, damit du nicht permanent geblendet wirst. Deine Pupillen werden kleiner und sind nun mehr zwei kleine schwarze Punkte in deinen Augen.

Bei einer Kamera ist das ganz genau so: wenn es sehr hell ist, kann es ratsam sein, die Blende etwas zu schließen, damit dringt weniger Licht durch die Linse (genau wie durch deine Augen) und dein Bild wird nicht überbelichtet. Eine weit geöffnete Blende hat aber auch Vorteile. Zum Beispiel schafft sie eine wunderschöne Tiefenschärfe, die dem Bild mehr Dimension verleiht.

Die Unschärfen im Vorder- und Hintergrund werden „Bokeh“ genannt (ja, man schreibt das tatsächlich so), und sind mehr als erwünscht.

Auch das Bokeh ist wieder dem Auge nachempfunden. Denn wenn man einen Gegenstand mit dem Auge fokussiert, wird auch alles andere drum herum unscharf. Das Bokeh lässt ein Bild also sehr natürlich aussehen und genau das macht es so ansprechend. Bitte nicht verwechseln mit tatsächlicher Unschärfe, das sieht anders aus – müsste ich es beschreiben, würde ich sagen: nicht so schön.

Was es noch zu wissen gibt: Die Öffnung der Blende, wird mit der sogenannten Blendenzahl angegeben. Je niedrieger die Zahl, desto weiter ist sie geöffnet. Mein aktuelles Objektiv besitzt eine Blende im Bereich von 3,8 bis 25 – was unter uns gesagt, nicht sonderlich spektakulär ist. Solltest du dich also auf die Suche nach einem guten Objektiv machen, kann eine niedrige Blendenzahl ein super Anhaltspunkt sein.

Die Belichtungszeit

Machen wir weiter mit der Belichtungszeit. Auch die kann man super mit dem Auge vergleichen. Stell dir vor, du hättest deine Augen immer geschlossen und du öffnest sie nur kurz, wenn dich jemand anstupst.

Auch deine Kamera hat ihre Augen immer geschlossen. Auch sie öffnet diese nur kurz, wenn sie angestupst wird – mit anderen Worten: wenn du den Auslöser drückst. Und die Belichtungszeit gibt dabei dann an, wie schnell die Kamera blinzelt.

Je kürzer die Belichtungszeit eingestellt ist, desto dunkler wird das Foto. Damit kann eine weit geöffnete Blende, die man wegen des schönen Bokehs auf keinen Fall weiter schließen möchte, wieder etwas „runter reguliert“ werden. Außerdem kann eine kürzere Belichtungszeit Menschen oder Gegenstände in der Bewegung einfrieren. Längere Belichtungszeiten hingegen, eignen sich besonders für dunkle Motive, zum Beispiel einen tollen Vollmond zur blauen Stunde oder nachts auf einer Lichtung im Wald. Spätestens dann solltest du aber unbedingt ein Stativ oder einen festen Untergrund verwenden (ein Autodach macht sich da übrigens ganz gut), sonst wirst du unmöglich ein scharfes Foto zustande bringen.

Der „Mitzieher“ ist eine Technik aus der Sportfotografie, die mit einer längeren Belichtungszeit arbeitet.
Eine kurze Belichtungszeit kann Bewegungen einfrieren. Super erkennbar an den Wasserspritzern links im Bild.

Sportfotografen arbeiten ganz bewusst mit unterschiedlichen Belichtungszeiten, um Bewegung und Dynamik besser einfangen zu können. Wenn Du wissen willst, wie es mir mit meinem ersten Versuch in der Sportfotografie ergangen ist, bleib dran, es wird bald einen Artikel dazu geben. Aber mal so als kleiner Hinweis: einen Preis werd‘ ich mit den Bildern sicherlich nicht abräumen *hust*.

Was es noch zu wissen gibt: Belichtungszeiten werden in Sekunden angegeben, auch, wenn die Belichtung über mehrere Sekunden, Minuten oder sogar Stunden andauern kann. Um ein kleines Beispiel zu geben: meine Kamera kann von 30 Sekunden bis 1/4000 Sekunde belichten. Zusätzlich gibt es noch eine „Bulb“-Funktion, die solange belichtet, wie man den Auslöser gedrückt hält. Bei einer Belichtungszeit von über 5 Sekunden spricht man übrigens schon von Langzeitfotografie, die vor allem für Nachtaufnahmen oder Astrofotografie super geeignet ist.

Die ISO-Empfindlichkeit

Wer hat das nicht schon mal erlebt? Man schlummert schön in seinem kuschligen Bettchen, plötzlich kommt Mama ins Zimmer gestürmt, trällert „Guten Morgen!“ und reißt die Vorhänge auf. Toll, morgens um sechs, wenn man zur Schule muss. Klar, dass man die Sonne da meidet wie ein Vampir und instiktiv das Gesicht im Kissen vergräbt, sonst bestünde die Gefahr einer akuten Erblindung!

Oder: Stromausfall im Keller. Bis sich die Augen an die plötzliche Dunkelheit gewöhnen, ist es quasi finstere Nacht und man hört sich nur noch fluchen, weil man sich auf dem Weg zum Sicherungskasten einen Zeh nach dem anderen stößt.

Was dein Auge ganz toll selber kann, nämlich die Lichtempfindlichkeit regulieren, muss bei der Kamera hin und wieder manuell etwas angepasst werden. Die ISO-Empfindlichkeit ist also nur ein weiterer Wert, mit dem du Einfluss auf die Belichtung deiner Bilder nehmen kannst. Sie regelt, die Empfindlichkeit deines Sensors auf Licht… also nicht dein Sensor, sondern der, deiner Kamera. Eine höhere Lichtempfindlichkeit, empfiehlt sich dabei vor allem für dunkle Motive, wenn es bewölkt ist oder für ein Indoor-Fotoshooting. Aber Achtung: eine hohe Lichtempfindlichkeit bringt gerade an den dunklen Stellen in einem Foto ein „rauschen“ mit sich und es sieht griselig aus.

Warum ist so ein ISO-Wert denn dann wichtig, wenn der so scheusliche Bilder macht und man mit der Blende sowieso toll arbeiten kann?

Kleines Beispiel: angenommen du bist der Partyfotograf auf der Geburtstagsfeier deines besten Freundes/deiner besten Freundin. Um tolle Portraitfotos zu machen, setzt du auf maximale Tiefenschärfe und arbeitest mit einer weiten Blende. Die Belichtungszeit kannst du nicht allzu weit herunter setzen, sonst verwackeln deine Bilder. Und ein Stativ? Ständig auf- und abbauen bei dem ganzen Gewusel… willst du das wirklich? Blitz ist ja ganz nett, aber was bringt es, wenn die Leute vor Schreck ständig mit den Augen kneifen? Damit deine Bilder also nicht zu dunkel werden und du auch um Mitternacht zum Anstoßen noch super Fotos machen kannst, ist hier deine einzige Chance, den ISO-Wert hochzuschrauben.

Je nach Kamera fällt das Rauschen auf den Bildern unterschiedlich stark aus. Und ich rate dir, bevor du den ISO-Wert jetzt total verteufelst oder zum heiligen Gral auserwählst, einfach mal zu gucken, was deine Kamera so kann.

Was es noch zu wissen gibt: ISO 100 ist die niedrigste Zahl, die meine Kamera kann. Ich persönlich justiere die ISO erst zum Schluss und nutze immer den kleinstmöglichsten Wert. Das Meiste konnte ich bisher über Blende und Belichtungszeit regeln. Wenn du trotzdem einen ungefähren Richtwert möchtest:

ISO 100 – 200: bei jedem Wetter, zu dem du eine Sonnenbrille tragen würdest

ISO 400 – 800: stark bewölkt, Schatten, im Wald, Nebel

ISO 1600 – 3200: Wenns dann doch mal dunkler wird, auf einer Party, nachts oder mit wenig Restlicht

Wie geht das jetzt genau?

Wie genau die Werte bei deiner Kamera eingestellt werden, würde hier zu weit gehen und wäre wohl auch recht sinnbefreit – ich kenne schließlich auch nur mein Model. Der Beste Tipp ist hier: einfach ausprobieren. Sich mal einen Nachmittag Zeit nehmen und wirklich alle Einstellungsmöglichkeiten, Kombinationen und Lichtverhältnisse ausprobieren. Fotografieren muss man lernen und das heißt auch: einfach mal machen und schauen, was rauskommt!

Bis dahin,

deine Stephie

Dein Smartphone

Neulich war ich allein auf der Autobahn unterwegs. Die Sonne war schon lange untergegangen, aber die Dämmerung zog sich und tauchte die Baumspitzen am Horizont in blau-violettes Licht. Und dann direkt auf einer Bergkuppe sehe ich ihn: den aufgehenden Supermond. Wie aufs Stichwort erklärt die Radiomoderatorin parallel, dass der Mond heute besonders nah an der Erde vorbeiziehe und deshalb so riesig sei. Ich wollte unbedingt ein Foto machen und war super stolz, sogar meine Kamera eingepackt zu haben – sie lag in der Tasche auf dem Beifahrersitz. Aber wie es das Schicksal so wollte, gab es keine Ausfahrt, kein Parkplatz, keine Raststätte weit und breit. Ich musste weiterfahren, auf die Straße gucken. Alles was mir blieb, war der rasche Blick aus dem Fenster und später in den Rückspiegel. Es war so frustrierend.

Etwa genauso frustrierend, wie ein wunderschönes Motiv und keine Kamera weit und breit. Was nützt dir dein teures Equipment und deine tolle neue Kamera, wenn du sie nicht dabei hast? Richtig, nichts. Und da wären wir tatsächlich auch schon bei dem größten Vorteil deines Smartphones:

Du hast dein Smartphone immer dabei

Kameraausrüstung kann sehr schwer sein und man würde vermutlich ziemlich beäugelt werden, würde man, in der Hoffnung auf ein gutes Bild, seine Kamera jeden Tag zur Arbeit, zur Uni oder zur Schule mitnehmen.

Dein Smartphone hast du schnell in die Tasche geschmissen – wahrscheinlich kannst du eh schon nicht mehr ohne. Und wenn Du ein schönes Motiv siehst, hast du es mit einem click schon auf ein Foto gebannt. Womit wir auch gleich schon beim zweiten Vorteil deines Smartphones sind:

Der ganze technische Kram braucht dich nicht zu interessieren

Das Smartphone ist so smart, dass es alle nötigen Einstellungen schon richtig berechnet, während du noch überlegst aus welchem Winkel du eigentlich fotografieren sollst. Du musst dir keine Gedanken machen über ISO-Werte, Blendenöffnung oder Belichtungszeit, du musst diese klassischen Lichtregeln noch nicht mal kennen. Nein, du kannst einfach auf den Auslöser drücken und ein tolles Foto produzieren.

Und ganz ehrlich: einige meiner liebsten Bilder habe ich mit dem Smartphone gemacht! Hier, sieh‘ selbst!

Was du für eine Kamera benutzt, ist erstmal nicht so wichtig. Meine Spiegelreflex hat auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel und ist qualitativ sicher leicht zu übertreffen. Aber darum geht es nicht. Die Bilder sind vor allem durch ihre Farben und den Bildaufbau so gut gelungen. Und es wirkt, weil es eine Atmosphäre vermittelt. Wenn du das Handwerk beherrschst, dann kannst du mit jeder Kamera ein gutes Bild machen.

Eine andere Kamera verschiebt lediglich die Grenzen des Möglichen. Fairnesshalber sollte ich die aber nicht unerwähnt lassen.

Was dein Smartphone nicht so gut kann

Schärfe: hast du schon mal so richtig tief in ein Foto reingezoomt? Ist dir da schonmal der Unterschied aufgefallen, zwischen dem Bild, dass du heute Nachmittag von deinem Kaffee gemacht hast und beispielsweise einem guten Bewerbungsfoto? Bestimmt. In den meisten Fällen stört es nicht, aber wenn du dann doch ein wenig näher ran musst oder dein Foto später drucken lassen möchtest, kommt doch des öfteren ein kleiner Moment der Ernüchterung, weil es nicht so hochwertig aussieht, wie gedacht. Das Titelbild ganz oben siehst du jetzt bestimmt mit anderen Augen.

Licht: Dein Smartphone ist nicht so lichtempfindlich. Bilder im Dunkeln werden oft griselig oder super unterbelichtet, wenn du nicht gerade den Blitz verwenden willst. Ein Bild von einer Lichtung im Wald, die nachts nur vom Vollmond beleuchtet wird, ist also eher nicht so drin.

Tiefenschärfe: heißt nicht, dass dein Smartphone das gar nicht kann. Allerdings ist der Sensor deiner Smartphone-Kamera sehr klein – was auch gut ist, sonst könntest du es nicht einfach mal eben in deine Hosentasche stecken. Dieser kleine Nachteil wird durch speziell programmierte Algorithmen technisch ausgeglichen, indem der Hintergrund eines nahen Objektes einfach etwas weichgezeichnet wird. Sobald das Objekt aber etwas weiter entfernt ist, greift der Algorithmus nicht mehr und dein Bild wird durchweg scharf. Die Tiefenschärfe und Dreidimensionalität geht dadurch leider verloren.

Einstellungsmöglichkeiten: Der Vorteil deines Smartphones, nämlich die einfache Handhabung, kann dann zu einem Nachteil werden, wenn du etwas speziefischer arbeiten möchtest. Auf Belichtungszeit, ISO-Wert und Blende, hast du leider keinen Einfluss, manchmal muss man aber etwas justieren, um dem Bild das zu geben, was es braucht.

Unabhänig davon, hat auch deine Handykamera, wie du siehst, einiges zu bieten. Unterschätze sie nicht, sie kann ein tolles Werkzeug sein. Aber natürlich gilt nach wie vor:

Kenne dein Werkzeug!

Viel Spaß bis dahin,

deine Stephie!

Deine Kamera

Die beste Kamera ist immer die, die du schon hast!

Um fotografieren zu können, braucht man eine Kamera. Und fürs erste ist die beste Kamera immer die, die du schon hast und mit der du umgehen kannst. Sie ist das Werkzeug mit dem du arbeitest. Dem Fotografieren mit dem Smartphone werde ich auf jeden Fall nochmal einen eigenen Artikel widmen. Aber heute ist die klassische Spiegelreflexkamera dran.

Wenn du deine Kamera gerade erst gekauft hast, dann sitzt du vermutlich wie auf glühenden Kohlen und willst endlich loslegen. Nur zu! Tob‘ dich aus, auch wenn dein Ergebnis nur eine verwackelte Taube auf dem Gehweg ist. Solange du weißt, wo der Power-Knopf und der Auslöser sind, ist doch erstmal alles in Ordnung.

Für den Fall, dass du von deiner ersten Tour mit verwackelten Tauben-Bildern schon wieder zurück bist, habe ich hier ein paar kleine Basics zusammengefasst, die dir den Umgang mit deiner neuen Kamera ungemein erleichtern.

Für den Anfang, ein kleines Nett-to-Know:

Was macht eigentlich der Spiegel in der Spiegelreflexkamera?

Warum die Spiegelreflexkamera so heißt, wie sie heißt, versteht man am besten, wenn man sich das Innere einer analogen Kamera ansieht. Um das ein bisschen besser zu veranschaulichen, habe ich unsere alte Minolta mal auseinander gebaut.

Der Spiegel in der Kamera lenkt das Licht, das auf das Objektiv fällt, hoch zum Sucher. Super wichtig, weil man will ja wissen, was man fotografiert. Außerdem verdeckt der Spiegel im Normalzustand den Film, damit dieser nicht dauerbelichtet wird.

Der Spiegel lenkt das Licht zum Sucher.
Wird ausgelöst, klappt der Spiegel nach oben und das dahinter liegende wird belichtet. In diesem Fall das Gras, weil ich das Rückenverdeck geöffnet habe.

Drückt man nun auf den Auslöser, klappt der Spiegel reflexartig nach oben. Der Sucher wird dann schwarz, weil das Licht nun nicht mehr auf den Spiegel fällt, sondern den Film uneingeschränkt belichten kann. Auf dem Bild oben rechts habe ich dabei die Rückenabdeckung geöffnet, um zu zeigen, wie durchlässig die Kamera an dieser Stelle ist, deshalb kannst du das Gras im Hintergrund sehen.

Was sind das alles für komische Knöpfe?

Der größte Unterschied zwischen einem Smartphone und einer Kamera in der Handhabung sind wohl die Einstellungsmöglichkeiten. Während eine Smartphone-Kamera wirklich denkbar simple ist – man braucht maximal den Auslöser, den Rest macht dein Handy von allein – haut dir eine klassische Kamera eine Vielzahl von Knöpfen und Einstellungsmöglichkeiten um die Ohren, die dir im schlimmsten Fall gar nichts sagen. Ich versuche mal ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen und zeige dir beispielhaft einfach meine Kamera: eine Nikon D3100.

Zugegebenermaßen wäre es recht sinnbefreit, hier einfach das komplette Benutzerhandbuch wiederzugeben. Zumal, Deine Kamera ja nicht unbedingt wie meine aufgebaut sein muss. Deshalb beschränke ich mich auf die wichtigsten Knöpfe und Einstellungen, die ich persönlich benutze.

Manueller Modus: Wie du auf dem Großen Rad links gut erkennen kannst, bieten die meisten Kameras eine Vielzahl von vorgerfertigten Modi an. Blende, Belichtungszeit und ISO-Wert sind an eine bestimmt Szenerie angepasst, z.B. Sportfotografie, Portrait oder Makrofotografie. Meiner Meinung nach, geben diese Modi dem Bild nicht immer das, was es eigentlich braucht. Oder aber, ich bin ein absoluter Profi darin, den falschen Modus zu wählen. So oder so, bekommt man ein deutlich besseres Gespür für die Kamera und das Motiv, wenn man genannte Werte per Hand einstellt. (Mehr dazu in einem eigenen Beitrag).

Multiple Foto Modus: oder auch „Serienbild-Modus“. Absolut unbezahlbar für alles, was sich bewegt.

Digitaler Sucher: Super, wenn du aus irgendwelchen Gründen nicht in den manuellen Sucher gucken kannst. Bedenke aber, dass der digitale Sucher deutlich mehr Akku verbraucht und durch die stetige Umwandlung in ein digitales Bild hin und wieder ein wenig „nachzieht“.

Blitz: An dieser Stelle wäre zu erwähnen, dass du wissen solltest, wie man den Blitz kontrolliert. Es gibt kaum nervigeres, als jedes Mal vor dem Auslösen, den Blitz wieder runter zu klappen. Ich persönlich benutze in kaum. Wobei es tolle Möglichkeiten gibt, natürliches und künstliches Licht miteinander zu verbinden. Das gehört allerdings zu den Dingen, die ich noch Lernen muss. Sobald ich soweit bin, lasse ich es dich wissen.

Brennweite oder anders ausgedrückt: damit kannst du zoomen. Ungeachtet aller Einstellungen und Modi, kannst du die Brennweite immer manuell betätigen.

Autofokus vs. manueller Fokus: der Autofokus kann dir eine große Hilfe sein, denn er wird in aller Regel schneller sein als du. Wenn dein Autofokus aber ständig das „Falsche“ fokussiert, kann es helfen, auch mal selbst Hand anzulegen.

Bildstabilisator: Die Wirkung des Bildstabilisators wirst du vermutlich vor allem bei längeren Belichtungszeiten bemerken. Je länger die Belichtungszeit ist, desto schwerer wird es dir fallen, das Bild aus der Hand heraus fotografiert, nicht zu verwackeln. Ein Bildstabilisator kann dich bis zu einem bestimmten Punkt gut unterstützen. Irgendwann gerät aber auch dieser an seine Grenzen und du wirst ein Stativ oder einen festen Untergrund benötigen. Natürlich gibt es auch Fototechniken, bei denen ein Stabilisator nicht die beste Idee ist. Aber fürs erste kann ich dir nur empfehlen, ihn zu benutzen.

Objektiv lösen: Wer irgendwann einmal sein Objektiv wechseln möchte, ist gut beraten, diese Funktion zu kennen.

Denn man muss das Werkzeug kennen, das man benutzt.

Bis dahin alles Liebe

Deine Stephie